Doppel-Interview mit Matricus und Azrael

Matricus hat als erster deutscher Player Support Specialist angefangen im europäischen Büro von Riot zu arbeiten. Seit kurzem ist er als European Desktop Analyst tätig. Azrael hingegen hat durch den Kontakt zu Matricus seinen Weg zu Riot gefunden und arbeitet als German Player Support Specialist. Beide erzählen uns im Interview etwas über ihre verschiedenen Aufgabenbereiche und gewähren einen kleinen Einblick in ihr Privatleben.

inLoL.de: Hallo Matricus und Azrael! Vielen dank, dass ihr euch für dieses Interview Zeit genommen habt! Erzählt uns doch als Einstieg bitte etwas über euch.

Matricus: Mein Name ist David, bin 22-Jahre jung (und damit jüngster Mitarbeiter von Riot Games Europe) und komme aus Berlin Lichtenberg (geboren in Sachsen-Anhalt). Bevor ich am 17.10.2011 meine neue Position als “European Desktop Analyst“ angetreten habe, habe ich knapp 8 Monate als Player Support Specialist gearbeitet.

Azrael: Vielen Dank für die Einladung. Mein Einstig, das ist jetzt auch schon 6 Monate her, war etwas ungewöhnlich. Ich kam auf Matricus mit einer Frage in einem Ticket zu und habe ihn so lange “ausgefragt”, bis ich mich entgültig entschlossen habe selbst Teil von Riot zu werden. Seitdem bin ich hier und bin immer wieder von den ganzen coolen Dingen überrascht, die bei Riot passieren.

inLoL.de: Als Player Support Specialist hat man es oft mit vielen Tickets zu tun. Was macht ihr nach einem langen Arbeitstag oder einer langen Woche voller Tickets, um neue Kraft und Motivation zu schöpfen?

Matricus: Als der erste deutsche und europäische Player Support, war es für mich nicht immer leicht. Ich saß bei den europäischen Community Coordinatoren und war fast 2 Monate alleiniger Player Support für Europa bevor ein weiterer eingestellt wurde. Was macht man da als Motivation? Die Antwort ist dennoch relativ einfach: Es ist Riot Games bzw. dessen Mitarbeiter. In Riot Games herrscht durchweg ein absolut offenes und freundliches Betriebsklima, bei dem immer irgendjemand irgendetwas Lustiges macht, an dem man teilhaben kann. Ohne das unglaubliche Team von Riot, wäre ich hier sicherlich in den paar Monaten „alleine“ eingegangen.

Azrael: Man mag es nicht glauben, aber auch wenn ich für Riot arbeite, habe ich nicht so viel Zeit zum LoL Spielen, wie ich mir wünschen würde. Sobald ich dann mal Feierabend mache, zocke ich so viel, wie ich kann. Meist mit anderen Leuten im Skype oder Teamspeak. Da wird dann gequatscht, herumgealbert und natürlich gespielt. Wenn die Zeit es dann mal zulässt, telefoniere ich viel mit meiner Freundin, da auch das sehr entspannend sein kann.

inLoL.de: Wenn ihr zurückdenkt, an die vielen Ticket, die ihr im Laufe eurer Arbeit bei Riot bearbeitet habt, gibt es welche die euch besonders Erinnerung geblieben sind?

Matricus: Gut das du fragst! Unglaublich aber wahr: Das Ticket kam von Azrael. Richtig gelesen, der jetzige Player Support Specialist hatte auch mal Probleme bzw. eine Frage. Er war sogar so anhänglich, dass er mich dazu überreden konnte, ihm meine Skype Daten zu geben, wo er mich, nachdem das Ticket geschlossen war, noch mehr… ausfragen konnte (um es mal höflich zu sagen ;) ).
Weil er mich so unglaublich… ausgefragt hat, ist mir dieses Ticket besonders in Erinnerung geblieben. Tja, und jetzt sitzt er hier und lässt sich von euch ausfragen. Welch Ironie?!

Azrael: Es gibt da ein paar Tickets, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Eines davon hatte, zusätzlich zur eigentlichen Anfrage, folgenden Inhalt: “Wirst du nächstes Jahr auch auf der Gamescom sein? Ich würd dich gerne mal persönlich treffen.” Das war so das Zeichen, dass ich den Sprung vom unbekannten Roten zum Player Supporter Azrael gemacht hatte. Leute kannten mich auf einmal!
Ein anderes Ticket ist erst vor ein paar Tagen gekommen. Im Ticket stand nur folgendes: Netalyzer-Test – “look at this I dont know, what I have to do…tell me pls in german if you can ;)
Ich habe natürlich den Fehler analysiert und ihm geantwortet, aber dem Kommentar folgendes hinzugefügt: Ich habe ein Ticket in dem mir jemand einfach nur einen Netalyzer-Test zukommen lässt und mich fragt, was er tun kann? Was soll ich tun? Du kannst mir sowohl in Deutsch, als auch in Englisch antworten.

inLoL.de: Matricus, was genau umfasst dein neuer Aufgabenbereich “European Desktop Analyst”?

Matricus: Als European Desktop Analyst bin ich für die Hard- und Software im europäischen Riot Games Office zuständig. Das bedeutet Konfigurierung, Wartung, Optimierung und Überwachung aller Systeme, inklusive des Netzwerkes – für das gemeine Fußvolk auch einfach aus „Technik Heini“ bekannt. „Nebenbei“ bin ich natürlich auch noch per Fernwartung für die anderen Riot Games‘ Büros zuständig, sollte dort mal Not am Mann sein (globales Team eben).
Natürlich bin ich als erfahrenster Player Supporter für Europa, noch immer ein häufiger Ansprechpartner und Helferlein.

inLoL.de: Wie man in den Foren lesen kann, ist für viele potenzielle Bewerber der Schritt nach Irland zu ziehen zu groß. Ist es euch anfangs schwer gefallen euch zurechtzufinden und wie hat euch Riot dabei geholfen dort Fuß zu fassen?

Matricus: Wer eine Bewerbung schreibt, hat bereits den Entschluss gefasst zu gehen, sollte es tatsächlich so weit kommen. Auch wenn es für mich persönlich keine große Sache war, ist es dennoch sicherlich für die Meisten eine Umstellung in allen Belangen des Lebens. Man muss es sich immer vor Augen halten: Man ist in einem Land in dem man vorher vermutlich noch nie war, muss bei allem eine andere Sprache sprechen und hat keine direkten Freunde oder Familie (vermutlich) die einem helfen.
Awesome wie Riot Games und dessen Mitarbeiter sind, wird jedem Neuling hier kräftig unter die Arme gegriffen. Ich selbst war am Anfang noch relativ auf mich selbst gestellt, was für mich jetzt kein großes Problem ist, aber ich habe dann meinen neuen Kollegen die nötigen Behörden usw. gezeigt und geholfen X und Y zu machen/organisieren. Neue Bewerber brauchen also keine Angst zu haben, wir „lassen niemanden zurück“!

Azrael: Für mich war es kein sonderlich bewegender Schritt. Nachdem ich Matricus ja gelöchert hatte, wusste ich, was es zu wissen gab. Da ich auch in Deutschland kein familiärer Mensch war, ist es mir ziemlich egal, wo ich gerade lebe. Das Zurechtfinden war auch kein Problem. Wenn ich etwas wissen wollte, bin ich einfach zu den anderen Riotern gegangen und entweder habe ich eine super Beschreibung bekommen oder sie haben mich quasi an die Hand genommen und hingebracht =)
Wenn man bereits sein eigenes Leben in Deutschland gelebt hat (also in eigener Wohnung und so), ist es super einfach neuen Fuß zu fassen.

inLoL.de: Gibt es Dinge, die ihr sehr vermisst in Irland?

Matricus: Schnitzel, Berliner Döner und allgemein deutsches Brot.

Azrael: DÖNER… und weil meine Freundin beim letzten Interview böse war, dass ich sie nicht genannt habe, mach ich das hier. Ich vermisse natürlich auch meine Freundin!

inLoL.de: Auf der League of Legends Webseite gibt es seit Kurzem eine interaktive Zeitleiste. Wie man dort sehen kann, hat sich eine Menge getan seitdem League of Legends das Licht der Welt erblickt hat. Wie hat sich in euren Augen die Balance und die Community in den letzten zwei Jahren verändert?

Matricus: Die Community – gerade die Deutsche – ist in den letzten 2 Jahren enorm gewachsen und hat sich regelmäßig verdoppelt. Bei einer derart großen Community gibt es nun einmal immer negative Zeitgenossen, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass sich die Community viel stärker positiv, als negativ entwickelt hat.
Was die Champions bzw. dessen Balance angeht, so finde ich diese außergewöhnlich gut, schon alleine für diese unglaubliche Anzahl an Champions und dessen mögliche Kombinationen untereinander. Es gibt natürlich Champions die gegen andere einfach stark sind, aber im Großen und Ganzen finde ich die Balance sehr gut.

Azrael: Ich habe mit dem Spiel relativ spät angefangen – kurz bevor Miss Fortune released wurde. Seitdem hat sich sehr viel, sowohl im Balancing als auch in der Community verändert. Am besten kann ich mich an LeBlanc erinnern, die beim Release fast alles mit einer Kombo unter level 6 getötet hat. Mit Level 6, war sie nicht mehr zu stoppen. Seitdem ich bei Riot bin, konnte ich jedoch feststellen, wie hart daran gearbeitet wird, einen Champion vor dem Release so zu balancen, dass er weder OP noch UP ist.
Und da sind wir auch schon bei der Community: Als ich angefangen habe, gab es mehr OP/UP Threads, als alles andere. Mittlerweile gibt es viele Initiativen und die Community wirkt reifer. Es gibt zwar immer wieder ausreißer, aber die Stellen nicht mehr die Masse dar.

inLoL.de: Welche Champions und “Championklassen” spielt ihr am liebsten?

Matricus: Carry… einer im Office muss die Leute doch zum Sieg führen! Wobei bei mir Carry nicht unbedingt ein Damage Dealer ist. Ich spiele die, die mir Spaß machen (aktuell Riven <3) und im Allgemeinen welche, die sehr agil sind.

Azrael: Klassen habe ich nicht wirklich. Ich spiele jede Klasse, sofern der Champion Spaß macht. Immer wieder Spaß machen Xin und Olaf. Oft spiele ich auch einfach, was gerade gebraucht wird (oftmals Supporter). Nach jedem Patch schaue ich, ob denn ein Champion nun mehr Spaß macht oder nicht.

inLoL.de: Ihr beide seid ja recht aktiv und bekannt in der Community. Habt ihr das Gefühl, dass manchmal Spieler anders auf euch reagieren als vor eurer Zeit bei Riot?

Matricus: Vor meiner Zeit bei Riot Games, war ich ja von Anfang an ein freiwilliger Helfer (Wrenchman) im Forum für die deutsche und englische Sprache. Die Tatsache das ich in dieser Zeit zahlreiches Tools und sogar einen eigenen Client „geschaffen“ habe, hat mir natürlich einiges an Aufmerksamkeit eingebracht – auch von Seiten Riots. Von daher haben die Spieler schon immer anders auf mich reagiert; das ich ein „Roter“ wurde, hat dann sicherlich nicht mehr viel verändert.
Den bisher lustigsten Moment, hatte ich erst vor wenigen Tagen: Ich komme von einem Treffen mit Cosplayern für eine Convention aus Berlin zurück und habe an diesen Tag mein Riot Games T-Shirt mit meinem Nickname hinten drauf getragen. Bereits am Flughafen in Berlin, haben mich eine Menge Leute die ganze Zeit angestarrt, auf mich gezeigt und so etwas in der Richtung. Man muss dazusagen, dass in dem Flieger eine Schulklasse anwesend war, die eine Woche in Irland verbringen wollte. Beim boarding und fliegen selbst ist nichts passiert. Ich saß recht weit vorne im Flieger. Als wir dann in Dublin angekommen sind und ich aufstehe um zu gehen, höre ich hinter mir ein paar Leute laut “DEMACIA!“ schreien. Wie ich so bin, antworte ich mit: “NOXUS!”
Tja, Ende vom Lied war, dass ich ein Haufen Autogramme geben und mich ausfragen lassen durfte – jaja, die halbe Klasse von denen spielt League of Legends… *-*

Azrael: Vor meiner Zeit als Rioter haben mich Spieler als einen Spieler gesehen. Die meisten wollten mich Adden, weil ich immer freundlich und hilfsbereit war (ja, das Internet lügt =) ). Als ich dann Rioter geworden bin, hat sich nicht viel verändert, da ich keineswegs bekannt war. Nur die Leute auf meiner Freundesliste haben sich gewundert, warum ich kurze Zeit RiotAzrael hieß und dann wieder Azrael.

inLoL.de: Riot Games und League of Legends sind mittlerweile auf eine beachtliche Größe angewachsen. Gibt es Mitarbeiter oder Spieler, die ihr gerne treffen würdet?

Matricus: Ich war dieses Jahr relativ häufig in Los Angeles, weshalb meine „Portion Rioterz“ zu treffen schon aufgebraucht ist und ich auch die getroffen habe mit denen ich sprechen wollte. An Spielern treffe ich seit der Gamescom sehr häufig die zahlreichen Cosplayer überall in Deutschland, indem ich diese vor Ort besuche um mit ihnen ein schönes Wochenende zu verbringen. Auf der Gamescom selbst habe ich viele Leute getroffen (allen voran unsere fleißigen, freiwilligen Helfer!), deren Namen sich so im Forum oder Spiel eingeprägt haben, weshalb ich insgesamt gesehen ausreichend bedient bin und nicht den Drang verspüre jemanden dringend zu treffen. Zumal ich die entsprechenden Personen auch in Skype habe und es dort so etwas wie Videokonferenzen gibt. ;)

Azrael: Ich würde gerne GuardsmanBob treffen, weil er einfach so chillig wirkt. Mitarbeiter, die ich gerne (wieder) treffen möchte, sind Pendragon, Jesse Perring und RiotBrent, weil das die Leute sind, die mich am meisten Beeindrucken in dieser Firma.

inLoL.de: Matricus, du warst ja auf der Gamescom. Neben der Hektik und dem Stress, wie war es für dich von so vielen begeisterten SpielerInnen umgeben zu sein?

Matricus: Ach, es war einfach unglaublich! So viele, viele Leute… ich war vorher noch nie auf eine derartigen Convention gewesen. Es war also in mehrfacher Hinsicht eine Premiere für mich. Hektik und Stress gab es eigentlich nur am Mittwoch und in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag – in welcher, übrigens, das anwesende IT-Team und ein Großteil des gesamten Riot Games-Gamescom Teams fast die ganze Nacht durchgearbeitet haben, nur um das Maximum aus dem Stand rauszuholen. Es wurde in dieser Nacht alles neu verkabelt um die Fehler, welche am Mittwoch aufgetreten sind, zu beheben und zu vermeiden (was auch reibungslos geklappt hat!). Die restliche Zeit war einfach nur wie ein Rausch.
Stellt euch vor: Du schaust auf die Uhr, gehst noch einmal schnell was trinken und drehst dich um. Nicht einmal 1 Minute später kommst du wieder und der gesamte Stand umringt von begierigen SpielerInnen in einer so unglaublich positiven Stimmung, dass wir nicht mehr groß was machen müssen und sie einfach willkommen heißen können. Von solch einem Moment habe ich übrigens auch ein Video, bei dem ich die ersten 2 Minuten unseres Standes vom Sonntag zeigen (2 Minuten nach Gamescom Öffnung)… absolut unglaublich!
Aber zurück zu den Spielern und den Gesprächen: Ich war bereits früher in der Schule & Ausbildung immer jemand, der vor keiner Präsentation, Referat etc. zurückgewichen ist, sondern i.d.R. einer der ersten war. Mit den Spielern, Fans oder der Presse zu reden war für mich keinerlei Problem, sondern einfach nur viel Spaß. Wie bereits zuvor gesagt befindet man sich als Mitarbeiter in einem Rausch, in dem es einfach wie eine zweite Natur ist mit den Spielern zu interagieren.
An den letzten beiden Tagen der Gamescom habe ich mich fast nur noch ausschließlich mit den Cosplayern „beschäftigt“, sie begleitet, mit ihnen gesprochen usw. Natürlich hat jeder Spieler, der getraut hat mich anzusprechen auch eine Belohnung erhalten (meine Hosentaschen waren immer rappelvoll ;) ).
Die Erfahrung von der Gamescom hat mich definitiv verändert. Ich bin offener für Neues und habe, denke ich, eine innere Barriere überwunden bezüglich öffentlichen Auftretens.

inLoL.de: Welche aufregenden Neuerungen können wir in naher Zukunft erwarten?

Matricus: Einen neuen supersüßen Champion, Spectator, Season 2 und mehr Präsenz der deutschen Rioterz im Forum.

Azrael: Immer wieder neue, innovative Ideen. Angefangen von Champions, die von mal zu mal ausgefallener sind, über technische Neuerungen wie den Spectator Mode oder die Achievements (wobei ich nicht sagen kann, wie nah das ist), können alle Spieler erwarten, dass Riot alles tut, damit die Spieler glücklich sind.

inLoL.de: Vielen Dank für das ausführliche Interview!

Matricus: Vielen Dank dafür und jederzeit wieder! Ich grüße an der Stelle auch noch einmal ganz frech meine ganzen Cosplayer, die ich in den letzten Wochen und Monaten so zahlreich besucht habe und noch besuchen werde – es waren (und werden) jeweils tolle Tage!
An alle anderen: Wir sehen uns auf der nächsten Convention, welche da für mich vermutlich die LBM sein wird, bei der ich natürlich wieder mit meinem Riot Shirt und einem Haufen Cosplayern rumlaufen werde. Wer mich findet und anspricht bekommt natürlich auch was! ;)

Azrael: Vielen Dank nochmal für die Einladung! Ich freue mich schon darauf bald wieder zu streamen, sobald ich meine neue Grafikkarte habe, damit die Community mich wieder auseinandernehmen kann.

das Interview wurde geführt von TheWayfarer

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